Banjo in den ewigen Jagdgründen

Wir vergessen Dich nicht!

Ich liebe Hunde, sie schenken mir immer wieder unvergessliche Momente, dafür bin ich sehr dankbar. Aber zum Leben gehört auch der Tod und der kommt manchmal plötzlich, unerwartet, grausam, langsam ….leider sehr selten friedlich von allein.
So mussten wir gestern morgen unseren alten Banjo einschläfern lassen, die Stunde war gekommen, er konnte und wollte nicht mehr.

R.I.P. my sweet old Banny-Boy

Banjo 1 jahr Dänemark

Schon immer habe ich Hunde aus dem Tierschutz gehabt, so auch meine geliebte Nora, eine Schäferhund-Colli-Mix-Hündin,die aus dem Tierheim Rostock kam, eine total verrückte, ausgeflippte Hündin, ein Energiebündel, sie fand einen tragischen Tod, als sie auf unserer Pferdeweide ein Kaninchen jagte und diesem auf die Straße folgte, ein Auto kam, sie war sofort tot. Ich war sehr unglücklich und wollte sofort einen neuen Hund, auch für unseren Max, der ja mit Nora aufgewachsen war. Ich telefonierte rum und erfuhr, dass unsere Nachbarin gerade Labrador-Welpen aufzog, die ich ja eigentlich nicht wollte. Aber wir schauten uns die Kleinen an, und da war´s um uns geschehen. Banjo mit den hellen Augen sollte es sein, 4 Wochen später zog er bei uns ein. Das Abenteuer Labrador begann.

Banjo läuft

 

Schon am ersten Tag sonderte er sich ab, verschwand unter einem Busch und ging on tour, das sollte sich nie mehr ändern. Selbständig, zielstrebig war er unterwegs, leider unterschieden sich seine und unsere Interessen meist. Futterbeschaffung hatte erste Priorität, nachdem wir ihn recht frühzeitig kastrieren lassen mussten, weil er nur eins im Sinn hatte und jede Gelegenheit nutzte abzuhauen. Banjo fraß alles, besonders gerne Birnen, meist 3-5 gleichzeitig hatten in seinem Maul Platz, aber er besuchte auch gerne das Cafe auf der anderen Straßenseite, wo er dann mit einem Kaffeesatz beschmiertem Maul zurück kam. Veranstaltungen auf unserem benachbarten Fußballplatz waren ein willkommenes Fressen.
Das blieb leider nicht ohne Konsequenzen, er hatte Probleme mit der Bauchspeicheldrüse, was dann immer Diäten und Tierarzt-Besuche nötig machte. Das konnte ich ihm nicht abgewöhnen, aber es wurde mit dem Alter weniger.

Banjo und Max in Dänemark

Auch wenn Labradore bekanntlich das Wasser lieben, hatte Banjo seine Probleme damit, was aber nicht sein Verschulden war. Als Welpe in einer kleinen Welpengruppe wurde er vom Hundetrainer , so schnell konnte ich gar nicht eingreifen, in einen Tümpel geschmissen “ alle Hunde können schwimmen“, das konnte er auch, was er nicht konnte, wieder da raus. Denn er hatte Koordinations-Probleme mit der Hinterhand, was ihm auch Treppensteigen unmöglich machte und so hing er fest, bis ich ihn retten konnte. Seitdem mied er tiefes Wasser, Pfützen wunderbar, Dänemark in den Wellen planschen, toll…. aber nie wieder schwimmen. Ich habe aus diesem Vorfall gelernt.

mit Pepper und MAx

Schon bei den ersten Kontakten mit anderen Junghunden zeigte sich, dass Banjo ein Einzelgänger war, spielen wollte er meistens nicht, schaute sich das ganze von einem gesicherten Platz, z.B. unter einer Bank an. Trotzdem nahmen wir noch einen weiteren Welpen – Pepper – auf, ein Notfall aus der Nachbarschaft, ich dachte er würde mit diesem jungen Hund etwas Gesellschaft haben, denn der dominante Max war nicht sein Geschmack. Aber die Rechnung ging nicht auf, Max und Pepper schlossen sich zusammen und Banjo brödelte immer mehr allein rum, auch wenn er von Zeit zu Zeit am Geschehen teilnahm.

Pepper und Banjo

Aber das war eigentlich die Ausnahme. So lebten wir einige Jahre in dieser Gemeinschaft mit den drei großen Hunden, aber Banjo ging dabei seinen Weg. Mir war schon damals klar, dass er auf dem Hof eigentlich unterfordert war, seine hohe Intelligenz konnte ich nicht in die richtigen Bahnen lenken und so suchte er sich seine. Er war immer freundlich zu allen Menschen, meist mehr als einigen lieb war, wer möchte gerne so einen großen schwarzen Hund im Gesicht haben? Auf die anderen Hunde reagierte er mit Gelassenheit.Ich hatte leider immer das Gefühl, er kommt etwas zu kurz.

Hunde auf der Bank

Als dann Max aus Altersgründen in die ewigen Jagdgründe ging wurde das Verhältnis zu Pepper besser, Banjo nun schon 11 Jahre wurde kommunikativer. dann verstarb Pepper schnell und dramatisch an einer schweren Krankheit, was uns alle aus der Bahn warf.
Und da kam Greta in unser und Banjo´s Leben.

Banjo und Greta

 

Eine dreijährige Hündin aus Russland, die Schlimmes mitgemacht hat. Banjo wurde ihre große Stütze und gab ihr den Halt, den ich als Mensch ihr nur schwer hätte geben können. Das war seine schönste Zeit.

auf der Couch

Aber Greta war jung, erholte sich, wollte spielen, da war Banjo nicht der richtige Kumpel für, und so kamen wir zu Paco , unserem ersten rumänischen Straßenhund. In der ersten Zeit waren Paco und Greta das Dream-Team, Banjo schaute souverän zu. Die beiden Rüden ignorierten sich, waren Luft füreinander. Nur als die Gruppe einmal von einem Nachbarhund angegriffen wurde, setzte sich Banjo sofort mit aller Kraft ein.

mit Paco

 

Gewöhnt war er ja mittlerweile viel, so ein nervender Corgie-Welpe konnte ihn auch nicht mehr aus der Ruhe bringen, und manchmal gab es auch noch kleine Temperamentsausbrüche.

p1080873

Banjo am Rücken

Seine Lebensuhr lief langsam ab, es gab schlechte Zeiten, aber Banjo war ein Kämpfer und erholte sich erstaunlicherweise immer wieder. Das letzte halbe Jahr war ein auf und ab und wir freuten uns über jeden Tag, den wir gemeinsam verbrachten. Als dann im Juni auch noch Chaplin zum Rudel stieß, nahm Banjo das mit seiner gewohnten Souveränität auf. Greta hatte endlich ihren Spielkameraden gefunden, denn Paco ist auch nicht so der Bewegungstyp.

Banjo und Chaplin

Kurze Zeit erinnerte ihn Chaplin an seine große Hundeliebe, aber irgendwann merkte auch der alte Banjo, dass da was anders ist.
So verbrachte er noch einen Sommer im großen Rudel mit den Straßenhunden und zeigte sich bis zum Schluss als wunderbarer Begleiter und Teil unseres Teams. Er war ein besonderer Hund, geprägt durch seinen eigenwilligen Charakter, der aber im Alter immer liebenswerter wurde, der Herzenshund von meinem Mann, für den ich u.a. auch diese kleine Geschichte geschrieben habe.

alter Banjo

Farewell Banjo-Boy

43 Kommentare

  1. Sonja says:

    Ich fühle auch mit Dir und Deiner Familie, liebe Marlies. Es ist immer traurig, wenn ein treuer Weggefährte gehen muss. Du hast ihm mit Deinen wundervollen Worten ein liebevolles Andenken gemacht. Lieben Gruß Sonja

    • Danke liebe Sonja, in Gedanken bin ich mit den Fotos noch einmal die 14 Jahre durchgegangen, eine lange Zeit, in der viel passiert ist, Banjo war immer dabei.
      Lieben Gruß Marlies

  2. AnDi says:

    Liebe Marlies,
    wir wissen wie das ist, ein Familienmitglied zu verlieren. 😦
    Ein feiner Begleiter war er wohl, so wie Du Banjo beschreibst. Mit wundervollen Worten und tollen Bildern hast Du ihm hier einen Abschied bereitet, der ihm zur Ehre reicht.
    Viel Kraft wünschen wir Dir für die nächste Zeit.
    Liebe Grüße
    AnDi

  3. Du hast so eine wunderbare Geschichte seines Lebens hier zusammengestellt, Marlies … Mein aufrichtiges Mitgefühl. Es ist wirklich schwer, ein solches Familienmitglied gehenlassen zu müssen …
    Alles Liebe!
    LG Michèle

    • Danke liebe Michèle, es war gut für mich, diese Geschichte zu schreiben, alle Fotos noch einmal durchlaufen lassen, dabei kam viel hoch.Ich denke, er hat eine wunderbare Zeit mit uns gehabt, so ganz nach seinem Geschmack, sehr frei, vielleicht etwas zu wenig TV.
      Lieben Gruß Marlies

  4. Mein herzliches Beileid – ich fühle mit euch (vor ein paar Jahren mussten wir auch ein geliebtes Mitglied unserer Familie gehen lassen)!
    Vielen lieben Dank, dass du diese wundervolle Geschichte mit uns geteilt hast!

    • Das ist immer ein großer Einschnitt, denn so ein Begleiter war doch ständig präsent, manchmal mehr als ein menschlicher Partner, das hinterlässt eine große Lücke. Dadurch, dass bei mir mehrere rumwuseln, fällt das zwar nicht so auf, wie beim“Einzelkind“ aber trotzdem ist da ein Gefühl der Leere.
      Lieben Gruß Marlies

  5. Stefan says:

    Mein herzliches Beileid, Marlies. Danke auch für die wunderbar erzählte Lebensgeschichte. Beim Lesen schaute ich zu meinem Hund, der sich auf einen Spaziergang freut. Ja, der Lauf der Dinge… Auch wenn alles zum Leben mit dazu gehört, es tut dennoch weh. Alles Liebe und viel Kraft.
    Lieben Gruß, Stefan

  6. Sibylla says:

    Ich denke, er trifft meine Rasselbande …….. den Heinrich, den Anton, die Isy, den Timon und den Teddy und sie werden eine gute Zeit haben, da hinter der Regenbogenbrücke. Als langjährige, treue Begleiter bleiben sie immer in unseren Herzen!

    Liebe Grüße,
    Sibylla

    • Ja sie werden es alle gut haben und auch mal uns denken, genauso wie wir an sie. Da merkeich dann mein Alter, wenn ich die lieben Begleiter so alle durchgehe und freue mich darüber, wie reich sie mich beschenkt haben, auch wenn es nicht immer einfach ist.
      Lieben Gruß Marlies

  7. Liebe Marlies, was für eine wunderschöne Lebensgeschichte hast du da aufgeschrieben. Ich bewundere dich für deine einfühlsame Beobachtungsgabe . So wird euer Banjo immer ein bisschen weiterleben ❤️.
    Ein geliebtes Tier zu verlieren tut jedes Mal wieder so weh . . Ich fühle mit euch.
    Maren

    • Danke liebe Maren. Es tat richtig gut, die Bilder raus zu suchen und sich dazu Gedanken zu machen und das dann in Worte zu fassen, das ist bleibend.
      Lieben Wochenend-Gruß MArlies

  8. brausefee says:

    Hallo Marlies und Familie, etwas verspätet, aber auch von mir mein Beileid.
    Du hast sein Leben schön erzählt und so bleibt er unvergessen<3
    Auch möchte ich Dir Danke sagen, das Du so ein großes Herz hast und Tieren in Not hilfst.

    Liebe Grüße, Jasmin 🙂

  9. juergen61 says:

    Hallo Marlies,
    Tod ist immer ein trauriger Abschied …gerade wenn einem so ein toller Hund ans Herz gewachsen ist…aber die Erinnerungen bleiben für immer und damit die Freude ihn überhaupt kennengelernt zu haben !
    Lieber Gruss, Jürgen

  10. juergen61 says:

    ja Marlies,
    ich denke das ist keine Alternative…lieber ein Tier—und die schönen Momente geniessen..immer mit dem Wissen das sie endlich sind (beim Menschen ja genauso) und der Tod ist der Abschluss dieser Erlebnisse …mit den Erinnerungen die Dir keiner mehr nehmen kann…von Herbert Grönemeyer gibt es einen tollen Song, gewidmet seiner früh verstorbenen Frau..da heisst es : (der Song heisst : der Weg ) : Hab meine Fist verlängert, neue Zeitreise,offenen Welt,Habe dich sicher , in meiner Seele, Ich trag dich bei mir…bis der Vorhang fällt……das sagt alles …
    Lieber Gruss, Jürgen

  11. Liebe Marlies!
    Ich umarme dich fest und danke dir für diesen liebevollen Bericht. Banjo scheint ein ganz besonderer Hund gewesen zu sein, der an deiner Seite sein Leben augenscheinlich in vollen Zügen genießen konnte. Die glücklichen Fotos sprechen ja Bände.
    Herzlich
    Katharina

      • ginnietom says:

        nur zu verständlich…hatte das bei meinen 2 Collies auch(14/15), die vor 3 Jahren kurz hintereinander gehen mussten…habe dann doch relativ schnell noch eine junge amerik.Colliehündin nachgeholt…das wird mit der Ablenkung dann leichter…vielleicht ist diese Art auch später robuster…wünsch Dir was 😉

      • Ja, die Konzetration auf einen neuen Hund, dem man seine Liebe schenken kann, hilft viel, auch wenn nicht jeder der Herzenshund sein kann.
        Lieben Gruß Marlies

  12. Ich schließe mich ginnietom an:
    `treue Freunde bleiben immer im Herzen… die Fotos sprechen Bände…´.
    Sie leben in uns weiter. Und wenn du das beherzigst, ist er immer bei dir.
    Jürgen aus Loy (PJP)

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