Abschiede: As Time Goes By

Wunder gibt es immer wieder – So ist das Leben

Letzte Woche musste ich Berta einschläfern lassen, sie konnte nicht mehr. Gute 12 Jahren lebten nun die Hängebauchschweine schon bei uns, als Winzlinge gekommen, mit der Zeit zu mächtigen Sauen herangewachsen. Da sie bis zum letzten Jahr zu viert waren, wurden sie auch nie sehr zutraulich, sie hatten ihre Rotte und Fremden gegenüber waren sie sehr ängstlich. Sie führten ein friedliches Leben, das vom Fressen und Schlafen bestimmt war, von gelegentlichen Raufereien nur kurz gestört.

Schlammbaden

Nach Bertas Tod war Rosa nun allein, erst erschien mir das unproblematisch, da sie nie groß Kontakt zu Berta hatte, aber am 3. Tag zog sie sich  zurück, wie ich meinte zum Sterben, obwohl sie nicht krank war. Wenn ich an sie ran wollte,wurde sie aggressiv, also ließ ich sie in Ruhe und respektierte ihr Verhalten, obwohl es mich traurig machte . Auch wenn mein Kontakt zu den Schweinen sich in Grenzen hielt, habe ich sie doch viel beobachtet, ihr Verhalten studiert und mich an ihnen erfreut. Und 12 Jahre sind eine lange Zeit, in der ich sie 3-4 täglich gefüttert und  ihr Gehege gesäubert habe. Aus meinen Küchenfenstern schaue ich direkt auf das alte Kinderhaus, in dem ihr Stall ist. Jetzt schaue ich ins Leere, natürlich sind noch viele Vögel da, die es gewohnt sind, sich am Schweinefutter satt zu fressen, aber die  4 Damen fehlen.
So geht wieder ein Abschnitt auf dem Hof zu Ende, und ich weiß noch nicht, ob ich dort andere Tiere einsetzen werde. Die Schweinehaltung mit Auslauf war immer ein Balanceakt, da das Veterinäramt, Schweine lieber im Hochsicherheitstrakt hätte – Seuchengefahr bei der Massentierhaltung. Das ist sehr schade, denn Schweine sind wunderbare Tiere, und man sieht sie viel zu selten im Freien.

Schwein dicht

Und nun zum Wunder: diesen Artikel wollte ich am Samstag veröffentlichen und hatte ihn schon am Mittwoch geschrieben.
Heute am Freitag um 14:30 steht Rosa auf einmal am Eingang ihres Unterstandes.

11 Tage lag sie da ohne Fressen, ohne Saufen.
Schnell brachte ich ihr einen Topf warmes Kraftfutter, was sie mit Nachschlag auffutterte und dann wieder verschwand. Ich stand mit meinem Kaffee am Küchenfenster und habe ihr zu geschaut. Ich bin gespannt, ob sie doch noch am Leben teilhaben möchte, das würde mich sehr glücklich machen.

Lecki und Blacky
Dies Thema führt zu unserer Zebu-Geschichte.
Vor 10 Jahren kaufte ich 2 vermutlich tragende Zebu-Kühe (afrikanische Buckelrinder), die mit unseren Pferden abwechselnd das Grasland beweiden sollten. So kamen Blacky – schon ziemlich alt – und Lecky – Leck-Ekzem – zu uns. Nach kurzer Zeit bestätigte sich, dass beide Kühe tragend waren, was mich bei der Alten etwas in Sorge versetzte. Zu Recht, kalbten doch beide Mitten im Februar bei -20 °C, es war ziemlich aufregend, aber alle 4 kamen dann doch gut durch den Winter.
4 zebus im Schnee
Leider wurde das Handling mit den Zebus immer schwieriger, da sie nicht in einen festen Stall lebten, wilderten sie immer mehr aus und konnten so nur unter Lebensgefahr tierärztlich versorgt werden. Das hieß, 1 x im Jahr mussten Blutproben entnommen werden, dafür brauchten wir eine Fanganlage, so ähnlich wie ihr es vielleicht aus den Westernfilmen kennt. Diese brachte uns dann ein Bekannter, der auch Zebus hielt. Einige unser starken Nachbar-Landwirte mussten dann Hilfestellung geben. Da die Tiere aber bei dieser Aktion so in Streß gerieten, zerlegten sie ihren Unterstand, Lecky brach sich ein Horn ab, und für alle war es sehr gefährlich. Dann kam noch neu hinzu, dass Rinder 2 x jährlich gegen die Blauzungenkrankheit geimpft werden mussten, da kapitulierte ich, 2x im Jahr das Einfangen, das konnte ich nicht leisten, und da meine liebe Blacky inzwischen gestorben war, gab ich die Tiere an unseren Bekannten ab, der sich um ihre Zähmung kümmern wollte und auch andere Gegebenheiten auf seinem Hof dafür hatte.
Lecky und ich
Ich war traurig, die Zebus aufgeben zu müssen, es sind wunderbare Tiere. Aber ich musste einsehen, dass ich allein nicht in der Lage war, sie zu händeln. Das Heranwachsen der Kälber war eine außergewöhnliche Erfahrung, auch wenn sie einige Male unter den Zäunen durchwischten. Aber sie bleiben in meiner Erinnerung und in meinen Herzen, wie auch die vielen anderen Tiere, die jetzt schon von uns gegangen sind.
Bella
Bella1
Bella, Blacky, Leky

28 Kommentare

  1. AnDi says:

    Liebe Marlies,

    was für ein liebevoller und wunderbarer Bericht!

    Und was Rosa angeht: wahrscheinlich brauchte sie einfach nur Zeit um zu trauern und sich an die neue Situation zu gewöhnen! Wir herrlich ist es zu lesen, dass sie diese Phase nun abgeschlossen hat und zurück in einem Leben voller Schweinkram ist! 😉

    Wir freuen uns, dass nicht noch ein Abschied anstand, sondern ein Neubeginn vor der Tür steht!

    Was macht eigentlich das Hunde-Rudel?

    LG
    AnDi

    • Ich bin noch etwas zurückhaltend, was Rosa angeht, aber optimistisch. Jeden tag habe ich mich angeschlichen, um zu sehen, ob sie noch lebt; das hätte ich wirklich nicht erwartet. Greta hatte eine leichte Blasenentzündung und war leicht leidend, aber tut ja auch weh, jetzt ist sie wieder fit und alle gut drauf. Paco trainiert heimlich Zirkuskunststücke, damit er uns mehr Leckerlies abluchsen kann, der kleine Gauner. Aber soooo lieb. Euch einen schönen Abend, liebe Grüße Marlies

      • AnDi says:

        Oh, wir können Greta verstehen, so eine Blasenentzündung tut wirklich weh! Paco, er ist ein echter Schlingel!!! 😀

        Wir sind sicher, dass Rosa auf einem guten Weg ist! 🙂

        LG und eine gute Nacht
        AnDi

  2. Es ist schwer, immer wieder Abschied nehmen zu müssen – nur ohne diese Erfahrung mit den Tieren zu sein … Auch keine Lösung, oder?
    Die Schwierigkeiten mit deinen Zebus sah man auch nicht in diesem Umfang voraus. Heute ist man schlauer. Du, die kleinen Kälber sind besonders goldig!
    Ich wünsche der Rosa nun alles Gute und hoffe, dass sie weiterhin frisst und mit dem Alleinsein (als Hängebauchschwein bei euch) klarkommt. Sie hat allerdings ja auch schon das recht hohe Alter, so dass man immer mit allem rechnen muss. Ich freue mich dennoch, dass sie vorerst die Passivität, das Fressen verweigern etc. aufgegeben hat.

    Liebe Grüße
    Michèle

    • Danke Michèle für deine Worte. Wir hatten in den letzten Jahren sehr viel alte Tiere, da ist der Tod einfach immer präsent. Trotzdem sehe ich auch immer das Individuum in jedem Tier, und sie sind alle einzigartig. Die Zebukälber waren wirklich wonnig, wuchsen aber auch recht schnell und waren überhaupt nicht zahm, da waren ihre Mütter zutraulicher. Aber ich bin auch irgendwie erleichtert, dass es jetzt nicht mehr ganz so viele Tiere sind, das war schon teilweise sehr anstrengend und ist jetzt auch noch genug.
      Dir noch einen schönen Abend, kuschlig warm, liebe Grüße Marlies

  3. Tim says:

    Das tut mir sehr leid. Das Bild, wo das Hängebauchschwein im Schlamm liegt, macht mich traurig (ich hoffe, es geht ihm auf diesem Bild gut?!).
    Trösten kann einem nur, dass das geliebte Tier ein schönes Leben hatte – traurig ist es so oder so… 😦

    • Nein im Schlamm, das war aus Freude, Schweine suhlen sich ja gerne und sind glücklich, wenn sie sich so richtig im Matsch wälzen können. Und Du hast Recht, es ist, wenn man weiß, dass die Tiere bei einem ein gutes Leben hatten und das kann ich wohl behaupten: hier ist das Paradies. Liebe Grüße Marlies

  4. Ingrid says:

    Hallo Marlies, Ich finde es toll, dass du so ein großes Herz für Tiere hast – und das, obwohl sie nicht flauschig nicht. Deine Geschichten zeigen doch, wie sehr Tiere Empfindungen und Beziehungen untereinander haben. Zu schade, dass die wenigsten Tiere ein Leben wie bei dir führen können.
    Ich drücke die Daumen für Rosa, dass sie sie den Verlust von Berta verkraftet. Ein ganzes Schweineleben gemeinsam, dass braucht seine Zeit.
    Liebe Grüße, Ingrid

    • Das wünsche ich mir auch immer, dass ich mehr Tieren dieses leben ermöglichen könnte, aber das hat seine Grenzen, das musste ich schon einsehen. Wenn es zuviel wird, kann es auch ins gegenteil umschlagen, die menschen dürfen dabei nicht zu kurz kommen und manchmal wird Über-Tierliebe auch zur Verdrängung benutzt. Das Mittelmaß ist wie in allen Dingen, der richtige Weg denke ich. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende, was macht der Fuß? Liebe Grüße Marlies

      • Ingrid says:

        Da hast du Recht, Marlies. Jede gute Tat zählt, sei sie noch so klein und diese dann lieber von ganzen Herzen. Meinem Fuß geht es mittlerweile wieder besser. Ich habe die Warnung meines Körpers verstanden und versuche jetzt meine Muskulatur in den Füßen zu stärken und auf Fehlhaltungen zu achten. Eher ein langer Prozess… 😒
        Ganz liebe Grüße, Ingrid

  5. Liebe Marlies,
    wie habe ich aufgeatmet, als du schriebst, dass sich Rosa wieder berappelt hat! Schweine sind ja sehr intelligente Tiere und es schein klar zu sein, dass sie getrauert hat. Wer weiß …
    Ich bewundere deinen Mut und dein Engagement um all deine Tiere. Du weißt, dass ich auch vom Bauernhof komme und daher weiß, dass man an jedem Tier hängt. Dennoch weiß man genauso gut, dass alles endlich ist und dass man sich von diesen geliebten Tieren irgendwann verabschieden muss. Man lernt damit zu leben.
    Wichtig ist, dass du ihnen ein lebenswertes Dasein geschaffen hast. Das allein zählt und das ehrt dich.
    Liebe Grüße
    Maren

    • Danke für Deine lieben Worte Maren, ja man lernt damit zu Leben, Geburt und Tod als etwas Natürliches zu sehen, trotzdem möchte ich manches gerne hinauszögern. Aber wie Du schon schreibst, die lebenswerte Zeit hier zählt und wenn sie manchmal auch kürzer ist, sage ich mir immer, besser diese Zeit gut gelebt, als lange und schlecht. Aber jetzt bin ich wirklich mal gespannt, ob Rosa sich wieder rappelt. Der Winter ist sowieso immer nicht so schön für die Hängebauchschweine gewesen, sie mögen es lieber warm, wir auch , oder? LG Marlies

  6. Annette says:

    Schweine sind wunderbare Tiere und was wir ihnen antun (und allen anderen Tieren auch!) ist ein Desaster. Unsere Nachbarn (im weiten Sinn) haben sie im Freien, und vor kurzem haben wir die Farm besuchen dürfen. Selbstredend ist das Fleisch eine Wucht und für uns ein Grund, wieder Schweinefleisch zu essen. Die Führung war beeindruckend…überall glückliche Schweinchen, die herumtollten und sich an ihrer Freiheit freuen! Ich kann mir vorstellen, dass man diese klugen Tiere schnell ins Herz schliesst. Da tut der Verlust sicher weh. Liebe Grüsse und Kopf hoch 🙂 PS: Eure Zebus sind ja so hübsch!

  7. Follygirl says:

    Ich drücke ganz fest die Daumen!!!
    Was Du über die Schwierigkeiten schreibst hätte ich mir gar nicht so vorstellt. Sehe die Tiere nur manchmal draußen und denke wenn man sie gut hält ist es das schon. Schade das alles zu schwer gemacht wird.
    LG und ein schönes WE, Petra

  8. Charlotte says:

    Liebe Marlies, ich kann Dir gut nachfühlen. Es ist immer ein Auf und Ab, wenn man Tiere hat. Aber sie geben einem so viel zurück, wenn man sie gut behandelt. Hoffentlich fängt sich Rosa wieder und merkt, dass eine Schweineleben auch alleine schön sein kann. Vielleicht wird sie auf ihre alten Tage ja noch ein wenig zutraulicher. 😊
    Herzliche Grüsse
    Charlotte

    • Sie hat mich auch wieder mit der Futterschüssel ran gelassen, aber sie ist natürlich alt und ihre Uhr läuft ab, bestimmt wird sie, falls sie sich fängt, etwas zutraulicher. Mal abwarten, liebe Grüße marlies

  9. arabella50 says:

    Das Schweineleben bei dir ist so angenehm, die Hertha schafft dad hoffentlich. Ich wünsche das Beste.
    Schön finde ich immer wieder die Gesichter der Tiere, die so viel ungeschminkte Klugheit zeigen.
    Ein ganz herrlicher Artikel, liebe Marlies.
    Dein Hof ist ein Ort, den ich gern besuchen würde. Das es gutes zu essen gibt, weiß ich ja schon.
    Liebe Grüße

  10. allesistgut says:

    Das ist wunderschön, dass Rosa wahrscheinlich doch noch ein bisschen auf der Erde verweilen möchte. Und, dass Du Zeburinder hattest, finde ich auch ja auch sehr interessant. Schade, dass die Haltung so aufwändig war.

    • Danke Szissy! Ich möchte eigentlich immer noch mehr tun, in Hamburg damals nannte mich eine „Die Mutter Teresa der Pferde“, auch lieb. Ich versuche, da zu helfen, wo es mir ganz persönlich möglich ist, einige Dinge kann ich bestimmt nicht, und so leben wir doch meist recht zufrieden zusammen. liebe Grüße marlies

  11. Reni says:

    Das sind sehr zu Herzen gehende Zeilen. Das Hängebauchschwein trauert, Tiere sind so empfindsame Wesen, gerade da erkennt man es ja wieder genau. Die Arme, ich hoffe es geht ihr etwas besser. Wie lieb du deine Tiere hast und wie empatisch du über sie schreibst! Das find ich wundervoll!
    Liebe Grüße,
    Reni

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