Blackbox-Gärtnern: überraschend, erfrischend und farbenfroh

Ich bin eine Blackbox-Gärtnerin, dass wusste ich bisher bisher noch nicht, doch als ich im Garten Netz Werk Blog den Artikel darüber las, war sofort klar: Das ist meine Art zu Gärtnern und das nicht erst seit gestern oder seitdem es diesen Begriff gibt.

Blaxbox gardening stützt sich im wesentlich auf das Gärtnern mit sich versamenden Pflanzen. Das praktiziere ich in meiner neuen Heimat seit 15 Jahren zwangsweise, denn der Hof mit dem Grundstück ist riesig, ich habe 10.000 qm zu bewirtschaften, ohne das angrenzende Weideland. Da gab es für mich in der ersten Zeit einiges zu lernen, bzw. anders zu machen. Aus verschiedenen Gründen fing ich an, immer mehr Pflanzen selber auszusäen und nach Pflanzen zu suchen, die unter manchmal schwierigen Bedingungen auch noch wuchsen und auch im nächsten Jahr wieder da waren. Immer mehr sogenannte Wildpflanzen zogen in meinen Garten ein und sie versamen sich gerne, wenn ich die richtigen gefunden habe.
Ochsenzunge
Ein großes Problem hatte ich anfangs mit den meiner Meinung nach entstehenden Farbdissonanzen. Da war nichts mehr mit Ton in Ton oder das rein weiße Beet – irgendwas „störte“ da immer die vermeintliche Harmonie.
weißesbeet
Heute sehe ich das anders; wo ich vor ein paar Jahren die Augen zu gekniffen hätte, muss ich lächeln über den Ausrutscher. Nach ein paar Tagen habe ich mich dann an die Farbkombi gewöhnt und sehe es positiv.
Habichtskraut
So tauchten letzten Herbst auf einmal unbekannte Blätter auf, ich war wahnsinnig gespannt, was das werden würde, alle Vermutungen waren falsch und es zeigte sich das orang-rote Habichtskraut, was sich neben der Schabenkönigskerze einen schönen Platz ausgesucht hat. Ich habe diese Pflanze nicht ausgesät und weiß wirklich nicht, wie sie in meinen Garten gekommen ist. Aber sie ist willkommen.
Glockenblume
Auch die Glockenblume hat sich auf die Socken gemacht und ist durch den Garten gewandert, gelandet ist sie im trockensten und sonnigsten Beet, da hätte ich sie nie hingesetzt. Der Fingerhut begleitet sie, aber der ist dieses Jahr so wie so überall dabei. Er ist auch der Favorit für meine „Blume des Jahres“, mal sehen, zwei andere stehen noch in den Startlöchern.
Roterose
Die Rosen müssen sich da erst noch behaupten, an ihrem Platz. Ich hatte sie stark zurück geschnitten und so konnte sich der Fingerhut richtig breit machen. Ich bin schon gespannt, wann die Farben umschlagen, von der lila Fingerhutwolke zur Rote Rosen Pracht. Jetzt sind sie noch ganz vereinzelt.
Spornblume
Die Spornblume hat das Beet verlassen und begrünt nun die Auffahrt. Das erfreut mich sehr. In Hamburg habe ich mir damit den Zorn meiner Nachbarn zugezogen, als ich nach und nach den kahlen Bürgersteig begrünte. Jetzt kann mich keiner hindern!!!!
Nachtkerze
Und wenn dann bei meinem abendlichen Rundgang die Nachtkerzen so leuchten und riechen, dann gehe ich glücklich und zufrieden ins Bett.
sonnenuntergang

26 Kommentare

  1. merlanne says:

    So ein schöner Garten. Und ich habe gelernt, dass auch ich eine Blackbox-Gärtnerin bin. Es gibt wirklich für alles eine Bezeichnung 😉 . Diese Art und Weise zu gärtnern entspricht total meinem Charakter: sich immer wieder überraschen lassen, staunen lernen, und nicht alles planen.
    Ganz liebe Grüsse,
    Claudine

    • Ich glaube, auch dass muss man ein bisschen lernen, sich der Natur fügen, mitmachen und nicht immer so bestimmend sein, den Perfektionismus beiseite lassen. Dann kann man seinen Garten auch besser genießen. lg Marlies

  2. Wunderschön, wenn der Garten auf diese Art entsteht, wächst, sich ergänzt! Er natürlich aussieht und man mit nicht so sichtbarer Hand der Natur nur ein bisschen Einhalt gebietet und manches etwas ankurbelt, richtet, steuert oder leicht bremst.
    Es macht auch sehr viel mehr Spaß, wenn im Laufe der Zeit die Pflanzen bleiben, sich vermehren und ihre ganz eigenen Partner finden, als wenn man immer versucht, hochgezüchtete Varianten entgegen ihren eigentlichen Bedürfnissen zu kultivieren. Zumal ich doch einige Züchtungen aufgrund wahnsinnig übertriebenen Blütengrößen oder etwas unechter Farben gar nicht als so schön empfinde. Manche Wildarten sind nicht nur wesentlich robuster, sie haben, was die Blüten angeht, häufig etwas sehr Zartes, Verletzliches. Bei Form und Farbe. Das ist sehr anziehend.

    Diesen anfangs etwas kritischen Blick auf selbständig entstandene Farbkombinationen kenne ich auch. Nur was mich wirklich dauerhaft beim Anblick stört wird versetzt. Doch ich sage mir immer, es wird schon einen Grund gehabt haben, dass der Neuzugang sich gerade dort ansiedelte – in der Nähe einer bestimmten anderen Pflanze. Die brauchen sich gelegentlich wirklich.
    Also, liebe Blackbox-Gärnterin, Traumhaft, wenn ich deine Fotos sehe und deine Beschreibung lese! Genieß es, dass kein Stadtnachbar dir mehr in die Parade fährt. Und zeig‘ gern ab und zu mehr, Marlies!

    Liebe Grüße
    Michèle

    • Danke liebe Michèle für deinen so treffenden Kommentar, und ich werde sicher noch viel vom Garten zeigen, keine Sorge! Gestern sah ich die eine orange Kapuzinerkresse neben den roten Rosen und dachte, wenn du mich noch mehr störst, wirst du aufgegessen, aber bis jetzt steht sie noch, oder solche Auffälligen kommen in die Vase, aber meist gewöhne ich mich doch daran. Obwohl, bei orange muss ich schon manchmal schlucken, das kann schon heftig sein. lg Marlies

  3. Genauso geht es uns auch! Immer wenn wir mal wieder ein Beet neu angelegt haben, dachte ich: so soll es bleiben! Schön ordentlich und farblich abgestimmt. Nee, nee! Der Fingerhut und Co. waren anderer Meinung. Zum Glück!
    Danke, für den Einblick in deinen schönen Gärten, Marlies!
    Liebe Grüße Maren

    • Ich freue mich liebe Maren, dass du es auch so siehst. Natürlich bin ich begeistert, wenn ich z.B.in England Sissinghurst, diese wahnsinnigen Beete, Zimmer sehe, teilweise wirklich wunderschön, aber so etwas geht zuhause nicht, erstens bin ich keine Schlossherrin – das wäre ja mal was – und zweitens hab eich auch keine Gärtner angestellt, ich bin Chief-Gardener und Arbeiter in Personalunion, also wird das zwangsweise anders zu organisieren sein un das gefällt mir auch so. Dir ein schönes Wochenende, im Garten, lg Marlies

      • Genau! Zwischen Arbeit, Haus , Blog und Freunden ist nur noch begrenzt Zeit fürs Gärtnern. Außerdem mag ich diesen Zustand zwischen Ordnung und leichter Wildnis 😉 Und schließlich will man ja auch mal einfach auf einer Bank sitzen und das ganze genießen.

  4. Sisah says:

    Alter Wein in neuen Schläuchen…nur heißt das jetzt ‚Blackbox Gardening‘, , und es werden Bücher darüber geschrieben. Es ist aber gut, dass sich die Farb-Toleranz mancher gärtnernder Menschen mit solchen neuen Begrifflichkeiten eventuell etwas vergrößern lässt.
    LG
    Sisah

    • Das ist ja nicht nur beim Gärtnern so, dass alte Gepflogenheiten mit modernen Begriffen aufgepeppt, neu auf dem Markt gebracht werden. Aber auf diesem Wege werden auch wieder andere Menschen angesprochen, das dient der Verbreitung und ist letztendlich gut. lg Marlies

  5. Toll! Bisher habe ich immer gesagt, dass ich „wild“ gärtnere…, und seitdem ich nicht mehr irgendwas „wollte“, sondern den „freiwilligen“ wilden Einwanderern (einschließlich mehrerer Wildrosen) Raum zu lassen… Die Nachtkerze ist einer meiner Lieblinge…, und bis ich kapiert habe, dass sie so heißt und abends ihre Blüten öffnet, hat es gedauert (mir wohlgesonnene „richtige“ Gärtner hatten sie mir zunächst als „Schuttpflanze“ ausgeredet…, aber sie kam immer wieder, bis ich mich besann…). Gartenvagabunden unter den Blumen sind einfach herrlich und ich finde, die Plätze, die sie sich selber suchen, passen irgendwie immer 😉 Lieben Gruß aus einem wilden Garten (zum Genießen…) Ghislana

    • Die Nachtkerze mag ich auch besonders gerne, gelb ist ja meine Lieblingsfarbe, wenn auch nicht immer bei den Blumen. Und dieser Duft, herrlich! Grüße zurück an den wilden Garten, wir haben gestern gemäht und da sieht es dann für ein paar Tage aus wie in England, aber dann setzt sich die Natur wieder durch. lg Marlies

  6. Follygirl says:

    Schön ist das bei Dir auch wenn ich diesen Begriff vorher nie gehört habe.
    Ich hab das früher als ich noch gegärtnert habe auch so gemacht… heute wächst alles wie es will.. ohne jede Einmischung. Obs da außer Faulheit auch einen Begriff gibt? Ach ja, ganz schick könnte ich schreiben „Renaturierung!“ 😉
    LG, Petra

    • Also Faulheit ist das bestimmt nicht, wenn ich einen Natur-nahen Garten habe – das ist mein Ausdruck dafür, aber Namen sind letztendlich doch egal. Dieser macht mindestens genauso viel Arbeit, wie ein konservativer. Aber das Wie, macht schon den Unterschied. Ich lebe auch nicht in der Wildnis, sondern in meinem Garten, wo ich schon gewisse Ansprüche habe, auch ästhetische, aber alles unter ganz bestimmten Gesichtspunkten, z.B. Biotope; schick würde ich das nicht nennen. Für mich ist das mit der Natur arbeiten und nicht gegen sie. lg Marlies

      • Follygirl says:

        Oh, ich meinte mit Faulheut natürlich nicht Dich, sondern mich, die ich gar nichts mehr im Garten mache…
        Ich weiß, wie viel Zeit und Arbeit man in einen Garten stecken muß damit er „naturnah“ aussieht!
        LG, Petra

  7. Annette says:

    Wieder was gelernt! Danke für den Exkurs und die Runde durch deinen Zaubergarten, liebe Marlies. Ich liebe den Zufall auch beim Gärtnern, und oft sind es ja fast schönere Kombinationen als die selbst erdachten. Schöne Abendstimmung 🙂

  8. Pingback: Blog-Geburtstag und Kerzen in meinem Garten | homesteadnotes

  9. Louis says:

    Hallo Alle,

    einfach grandios! Es gibt einen Japaner, der vor ca. 10 Jahren ein Buch darüber geschrieben hat, wenn das Jemand kennt, wäre ich um den Titel froh, Danke, Louis (Wildkräuterfex)

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